Seit einigen Jahren bekommt man bei Aldi, dm usw. Baldriankapseln und Franzbranntwein. Ich kann nicht beurteilen, inwiefern dabei die Apotheken zurückstecken müssen, oder ob die erste Anlaufstelle eines Menschen mit Schlafstörungen vielleicht gar nicht sofort die Drogerie oder der Supermarkt ist, wo man sich halt mal behandelt. Ich kann mich nicht mehr sooo gut in die Rolle des unvoreingenommenen Kunden oder Patienten reinversetzen, deshalb kann ich nicht ganz klar sagen, was ich tun würde. Jedoch steht die Apotheke immer noch als zuverlässige Quelle bereit, wenn es darum geht, seine zusammengedachten Experimente, die man mit seinem Körper vorhat, abzuklären, bevor man sie unternimmt und sich mehr schadet als nützt. Vielleicht ist der Franzbranntwein nicht das Produkt, zu dem man etliche Fragen in der Apotheke gestellt bekommt, aber sowas wie Baldrian…Nicht jede Schlafstörung ist banalen Ursprungs… Gerade habe ich im n-tv Videotext gelesen, dass „dm“ in Zukunft keine rezeptpflichtigen Arzneimittel vertreiben darf, wie sie das vorhatten. Ich hoffe, dass es so bleibt. Das Rezept würde im Drogeriemarkt abgegeben werden, dann durch eine Versandapotheke beliefert und der Kunde holt ab und bezahlt. Ich weiß nicht, wie der Beratungsdialog zustande kommen sollte.
Die verzwickten Ahnungen hab ich mal hier aufgeführt:
- ruft die Versandapotheke jeden Patienten an und erklärt Einnahme und Risiken?
- Kennt die Versandapothekenberaterin die Kunden oder kann auf ihren Kundenkarten, wie es sie in vielen Apotheken gibt, ersehen, welche Vorerkrankungen der Patient hat oder ob er beispielsweise Allergiker oder Diabetiker ist?
- muss die Kassiererin in Zukunft beantworten können, ob morgens oder abends Medikamenteneinnahme stattfindet und wird sie Zeit haben, dem Patienten zuzuhören, wenn er erzählen möchte, wie ihm sein Medikament bekommt?
- Wird der Patient nur anhand der Packungsbeilage über das Medikament informiert werden und muss dann für mehr beim Versandhandel anrufen? Treten bei älteren Menschen, die ohnehin nicht so gut verstehen da vielleicht nicht sogar Missverständnisse auf? Oder traut sich jeder, „irgendwem“ am Telefon seine (selbstbeurteilt) „dumme“ Frage zu stellen?
- Wer sagt dem Patienten (falls er den Beipackzettel nicht studiert), dass er, nachdem er das Beruhigungsmittel genommen hat, nicht Autofahren darf?
Mir tun sich da echt Fragen auf. Und ich glaube nicht, dass das oben Beschriebene ein Weg ist. Sicher, ein Weg, aber ob das der richtige wäre? Ich hoffe, dass sich das nicht durchsetzt. Ebensowenig, dass man Schmerzmittel (rezeptfreie) etc. in der Drogerie bekommt. Auch das vorhin erwähnte Herumexperimentieren mit dem Körper in der Schmerzbekämpfung z.B. sollte nicht in Eigenregie erfolgen. Was ist, wenn die Ursache mal etwas anderes ist, als eine durchgemachte Nacht, die für Kopfschmerzen verantwortlich ist? Oder weiß jeder, dass nicht jedes Schmerzmittel für Kinder geeignet ist? Kann man da bei einem Kind gar nichts machen? Darf ich mein Schnupfenspray solange nehmen, bis der Schnupfen weg ist, also auch mal 2 Wochen? Behandle ich meinen Husten eher mit nem Schleimlöser oder mit einem Hustenblocker? Hier schließe ich mal. Der ein oder andere mag dies langweilig finden, ich weiß aber, dass auch einige Kollegas Sandras Blog lesen und vielleicht noch nichts von dem Plan gehört haben und womöglich noch mehr Fürs und Widers im Kopf haben. Vielleicht hab ich mich auch an manchen Stellen vertan. Ist ja immer dünnes Eis, auf dem man sich bewegt, wenn man solche Themen veröffentlicht. Es wird gefühlsmäßig etwas dicker, wenn ich erbitte, zu kommentieren, um zu verbessern, zu widersprechen, zu vervollständigen, zuzustimmen…