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Drogerie vs. Apotheke?

25 01 2006

Seit einigen Jahren bekommt man bei Aldi, dm usw. Baldriankapseln und Franzbranntwein. Ich kann nicht beurteilen, inwiefern dabei die Apotheken zurückstecken müssen, oder ob die erste Anlaufstelle eines Menschen mit Schlafstörungen vielleicht gar nicht sofort die Drogerie oder der Supermarkt ist, wo man sich halt mal behandelt. Ich kann mich nicht mehr sooo gut in die Rolle des unvoreingenommenen Kunden oder Patienten reinversetzen, deshalb kann ich nicht ganz klar sagen, was ich tun würde. Jedoch steht die Apotheke immer noch als zuverlässige Quelle bereit, wenn es darum geht, seine zusammengedachten Experimente, die man mit seinem Körper vorhat, abzuklären, bevor man sie unternimmt und sich mehr schadet als nützt. Vielleicht ist der Franzbranntwein nicht das Produkt, zu dem man etliche Fragen in der Apotheke gestellt bekommt, aber sowas wie Baldrian…Nicht jede Schlafstörung ist banalen Ursprungs… Gerade habe ich im n-tv Videotext gelesen, dass „dm“ in Zukunft keine rezeptpflichtigen Arzneimittel vertreiben darf, wie sie das vorhatten. Ich hoffe, dass es so bleibt. Das Rezept würde im Drogeriemarkt abgegeben werden, dann durch eine Versandapotheke beliefert und der Kunde holt ab und bezahlt. Ich weiß nicht, wie der Beratungsdialog zustande kommen sollte.

Die verzwickten Ahnungen hab ich mal hier aufgeführt:

- ruft die Versandapotheke jeden Patienten an und erklärt Einnahme und Risiken?

 - Kennt die Versandapothekenberaterin die Kunden oder kann auf ihren Kundenkarten, wie es sie in vielen Apotheken gibt, ersehen, welche Vorerkrankungen der Patient hat oder ob er beispielsweise Allergiker oder Diabetiker ist?

- muss die Kassiererin in Zukunft beantworten können, ob morgens oder abends Medikamenteneinnahme stattfindet und wird sie Zeit haben, dem Patienten zuzuhören, wenn er erzählen möchte, wie ihm sein Medikament bekommt?

- Wird der Patient nur anhand der Packungsbeilage über das Medikament informiert werden und muss dann für mehr beim Versandhandel anrufen? Treten bei älteren Menschen, die ohnehin nicht so gut verstehen da vielleicht nicht sogar Missverständnisse auf? Oder traut sich jeder, „irgendwem“ am Telefon seine (selbstbeurteilt) „dumme“ Frage zu stellen?

- Wer sagt dem Patienten (falls er den Beipackzettel nicht studiert), dass er, nachdem er das Beruhigungsmittel genommen hat, nicht Autofahren darf?

 Mir tun sich da echt Fragen auf. Und ich glaube nicht, dass das oben Beschriebene ein Weg ist. Sicher, ein Weg, aber ob das der richtige wäre? Ich hoffe, dass sich das nicht durchsetzt. Ebensowenig, dass man Schmerzmittel (rezeptfreie) etc. in der Drogerie bekommt. Auch das vorhin erwähnte Herumexperimentieren mit dem Körper in der Schmerzbekämpfung z.B. sollte nicht in Eigenregie erfolgen. Was ist, wenn die Ursache mal etwas anderes ist, als eine durchgemachte Nacht, die für Kopfschmerzen verantwortlich ist? Oder weiß jeder, dass nicht jedes Schmerzmittel für Kinder geeignet ist? Kann man da bei einem Kind gar nichts machen? Darf ich mein Schnupfenspray solange nehmen, bis der Schnupfen weg ist, also auch mal 2 Wochen? Behandle ich meinen Husten eher mit nem Schleimlöser oder mit einem Hustenblocker? Hier schließe ich mal. Der ein oder andere mag dies langweilig finden, ich weiß aber, dass auch einige Kollegas Sandras Blog lesen und vielleicht noch nichts von dem Plan gehört haben und womöglich noch mehr Fürs und Widers im Kopf haben. Vielleicht hab ich mich auch an manchen Stellen vertan. Ist ja immer dünnes Eis, auf dem man sich bewegt, wenn man solche Themen veröffentlicht. Es wird gefühlsmäßig etwas dicker, wenn ich erbitte, zu kommentieren, um zu verbessern, zu widersprechen, zu vervollständigen, zuzustimmen…


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2 responses to “Drogerie vs. Apotheke?”

27 01 2006
PTAmaus (13:24:52) :

Hallo die Sandra,
da ich sogar eine Erinnerungsmail zu diesem Blogg bekommen habe, möchte ich mich nun auch äußern :-)

Verschreibungspflichtige AM in Drogerien: Ohne lange rumzuschwafeln (was ich ja so gut kann und mich dann 3 mal wiederhole), denke ich dass eine AM Abgabe nur überhapt zugelassen werden wird, wenn hierfür ausgebildetes Personal vorhanden ist.
Da ich ja bei dm gearbeitet habe, weiß ich, dass sich die Angestellten z.T. spezialisieren, und dass dann extra eine für den Bereich Arzneimittel zuständig ist. Und da waren durchaus Kolleginnen, die auch “ein bisschen” was auf dem Kasten hatten. Aber ich denke, dass wir uns alle einig sind, dass eine Spezialisierung einer “normalen Verkäuferin” nicht ausreicht.
Es kann also nicht so sein, dass die Kassierin was mit den Arzneimitteln zu tun hat. Denn ich als Schülerin (zufällig ja PTA Schülerin) hätte trotzdem keinen Plan zu Einnahmehinweisen gehabt.

Ich habe die dm AM Idee nicht verfolgt (sorry), aber ich denke mal, dass es eine extra Theke geben wird oder? Nicht, dass man die AM nebst Nagellack und Vogelfutter bezahlt wie in amerikanischen Drugstores. Das wäre dann echt scheiße. Wenn eine extra PTA für die Beratung rund um die Uhr da wäre, könnte man ja über die Idee reden, aber dm wird sich wohl keinen Apotheker anstellen, was?

17 05 2006
Martin (19:12:19) :

Hallo Sandra,

ich bin Apotheker und zwar einer Versandapotheke zugehörig.
Bei Deinen Betrachtungen setzt Du eine Versandapotheke einer Drogerie gleich, dem ich nicht so und es ist durchaus sehr tendentiös.

Auch wir Versandapotheker unterliegen strengen Auflangen wie jede öffentliche Apotheke und geben auf Nachfrage soviel Informationen weiter wie es sich der Patient wünscht. Im klassischen Apothekenbetrieb ist dem auch nicht anders.

Grüße aus Bayern

Martin
www.pharma24.de Versandapotheke

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