Keine Lieder über Liebe
25 12 2006Ich sags dir, wunderschöner Film. Naja, was heißt schon schön?! Es geht schließlich um eine ganz unangenehme Situation. In den Augen eines jeden Beteiligten. In Tobias´ (Florian Lukas) Augen, der der Betrogene ist, durch seine Freundin Ellen (Heike Makatsch) und seinen Bruder Markus (Jürgen Vogel) und den Moment sucht, in dem er damit herausplatzen kann, dass er dies vermutet und der mit anhören muss, wie die beiden Diskussionen darüber führen, ob ein echter Ausrutscher nur einer ist, wenn man sich verliebt. Ellens unangenehme Situation ist die der Freundin, die Tobias um Unterstützung bittet, weil er seinen Bruder und dessen Band (die HANSEN-BAND) auf Tour durch Norddeutschland begleitet und die sich nichts anmerken lassen darf. Markus hat zum einen den Stress mit der Tour am Bein- er ist der Frontmann, er muss das Publikum bei Laune halten, authentisch seine Songs präsentieren und gleichzeitig ebenso wie Ellen so tun, als sei alles in Ordnung. Jedoch kommt es, wie es kommen muss, Tobias erzählt von seinem Verdacht und wird darin bestätigt. Zunächst zwar nur von seinem Bruder, letztenlich rückt auch Ellen damit heraus, dass der Gute-Nacht-Kuss doch ein paar Sekunden länger gedauert hat.
Ich finde den Film deshalb sehr schön, weil er zum einen beschreibt, wie man sich das Tourleben von solchen kleinen Bands (die natürlich sicher alle vor dem großen Durchbruch stehen und bald ohnehin nur noch im Hilton schlafen) vorstellen kann und weil die Konzerte der wirklich existierenden Hansenband gezeigt werden. Irgendwie ist es sehr emotional und schön und die Lieder haben einfach was, das mitreißt.
Auch an Schauspielern finde ich es eine gelungene Auswahl, alle 3 Hauptdarsteller spielen wunderbar natürlich. Schließlich ist die Kameraperspektive die von Tobias, er hat es sich ja schließlich zur Aufgabe gemacht, einen Film über seinen Bruder und dessen Band zu machen. Und da es wirkt, wie wenn jemand wie du und ich seinen Alltag filmt, hat es schon wieder eine nicht künstlich herbeigeführte schöne Atmosphäre, aber eine realistische solche, in die man schnell versinkt, als stehe man dabei und müsste sich gleich in die Diskussionen einklinken.
Zum Schluss noch 3 meiner liebsten Ausgesprochenheiten:
In der ersten Situation verwehrt Markus der Kamera den Weg in das Zimmer hinter der weißen Hoteltür. Mit einem Jürgen Vogel-Lächeln sagt er witzigerweise, wie ich finde: “Hey…5 Minuten mal ein bisschen…Rock´n Roll….okay?!”
Ellen und Tobias streiten etwas, ich weiß nicht, nein, es ist kein Streit, es ist so ein Gezicke, wo keiner platzt, man aber auch nicht ruhig ist..es ist wohl das, was man eine angespannte Situation nennt, genau. Sie läuft ihm davon und er versucht sie aufzuhalten und sagt: “Warum rennst du weg?”. Sie:”Ich renne nicht, ich schlendere“. Er: “Warum schlenderst du weg?”
Und zu guter letzt dreht es sich um meinen Lieblingsnamen. Die 3 schaun sich Robben an und da ist dann Fütterung und die Pflegerin redet mit den Tieren mit Springring und so und sagt: “Der Peter muss nix machen für seinen Fisch”.



